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Animal Liberation Workshop 2007 in Wien

150 Interessierte füllten den großen Projektraum im WUK in der Währingerstrasse, um zu erfahren, wie sie tierrechtsaktiv werden können

Am Wochenende vom 17. bis 18. November 2007 ging der letzte ALW in diesem Jahr über die Bühne. Der große Projektraum im WUK in der Währingerstrasse in Wien war gerade groß genug, um die insgesamt 150 Interessierten aufzunehmen, die sich eingefunden hatten. Durch den großen Raum und die Vielzahl der Leute wären eigentlich Mikrophone für die Vorträge und Arbeitskreise notwendig gewesen. Dass so viele Personen bereit waren, ein ganzes Wochenende dem Thema Tierrechtsaktivismus zu widmen, ist sehr ermutigend. So konnten wieder zahllose Personen darüber informiert werden, wie man am besten und effektivsten etwas zur Änderung der Tierausbeutung in der Gesellschaft beitragen kann.

Eine Gruppe von AktivistInnen übernahm das vegane Catering für diesen Event, und zwar völlig kostenlos für die TeilnehmerInnen. Alle waren von den pflanzenfreien Alternativen begeistert.

In der einleitenden Diskussion zur Geschichte der außerparlamentarischen Opposition und der Tierrechtsbewegung, wurde bereits heftig darüber diskutiert, was an der heutigen Gesellschaft politischen Aktivismus abseits von Parteien einschränkt. Generell scheinen Menschen die Verantwortung an NGOs delegieren zu wollen. Beim Tierrechtsaktivismus kommt noch erschwerend dazu, dass man sich selber ändern muss.

Bis 16 Uhr wurde noch über Tierrechtsphilosophie und verschiedene Formen des Aktivismus diskutiert und es wurden die laufenden bundesweiten Kampagnen im Tierschutz, wie die Pelzkampagne gegen Kleider Bauer, die Kampagne für ein Käfigverbot in der Kaninchenhaltung und für Verbote von Vollspaltenboden und Kastenstand in der Schweinehaltung, vorgestellt. Danach gingen rund 100 der TeilnehmerInnen auf einen lauten Demomarsch für Tierrechte quer durch die Innenstadt. Für viele erstaunlich und nicht nachvollziehbar war das Polizeiaufgebot. Praktisch gleich viele PolizistInnen wie DemonstrantInnen begleiteten den Zug, und dabei waren einige dieser BeamtInnen in voller Kampfmontur, mit Schlagstöcken, Helmen, Schildern und Schienbein-Ellbogen Schützern. Die Annahme liegt nahe, dass die Behörde mit dieser Maßnahme der Tierrechtsbewegung ein radikal-militantes Image geben und sie damit von den Sympathien der Öffentlichkeit abkappen will. Eine mit einem derartigen Aufgebot begleitete Demonstration muss auf unbedarfte BeobachterInnen so wirken, als würden hier sehr gefährliche Personen demonstrieren, die jeden Moment gewalttätig werden könnten. Dabei ist es bisher bei Tierrechtsdemos in Wien noch nie zu gewalttätigen Ausschreitungen gekommen. Entsprechend passt diese Behördenmaßnahme gut ins Bild der generellen Politik der Bundespolizeidirektion Wien und des Innenministeriums, die Tierrechtsbewegung zu kriminalisieren.

Nach der Abschlusskundgebung um 18 Uhr am Michaelerplatz gingen die TeilnehmerInnen zum WUK zurück, um sich noch einmal bei einem veganen Abendessen zu stärken. Danach gabs einen Workshop zu Recherchen und einen Filmabend mit Jillís Film, der berührenden Dokumentation über das Leben der Tierrechtsaktivistin Jill Phipps, die am 1. Februar 1995 bei einer Tiertransportblockade unter den Rädern eines Transport-LKWs umgekommen ist.

Am Sonntag präsentierten sich verschiedene Tierrechtsorganisationen, wie z.B. der Verein Gegen Tierfabriken, die Vegane Gesellschaft, die Gruppe StudentInnen für Tierrechte und die Österreichische Tierrechtspartei. Ein Rückblick auf bisherige Kampagnenerfolge sollte den AktivistInnen das Selbstvertrauen geben, dass Kampagnen tatsächlich etwas bewirken. Danach gab es einen Vortrag über das Gerichtsverfahren zur Anerkennung des Personenstatus eines Schimpansen.

Nach dem Mittagessen wurde das Konzept des Arm Chair Aktivismus vorgestellt. Eine lange Diskussion über die Gründe von Veganismus und seine gesundheitlichen und umweltschützerischen Aspekte folgte. Anwesende ErnährungswissenschaftlerInnen konnten detailliert zu allen Ernährungsfragen Auskunft geben. Der ALW wurde traditionell mit einem Vortrag über Bürgerrechte gegenüber Polizei und Behörden beendet.

Nach intensiver Arbeit zu den verschiedenen Themen gingen die TeilnehmerInnen neu motiviert nach Hause. Es ist zu erwarten, dass sich diese ALW Serie 2007 in Österreich in nächster Zeit durch noch intensiveren Tierrechtsaktivismus auswirken wird.